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Modernisierungsschub für die Erlanger Geburtshilfe

Modernisierungsschub für die Erlanger Geburtshilfe

20 Jahre moderne Geburtshilfe am Uniklinikum Erlangen

Mit der Eröffnung des Neubaus der Geburtshilfe am 29. September 2005 begann am Uniklinikum Erlangen eine neue Ära der Versorgung. Über 20 Jahre später steht das hochmoderne Gebäude für innovative Perinatalmedizin, patientenorientierte Betreuung und enge interdisziplinäre Zusammenarbeit.

Vor gut 20 Jahren begann mit einem Neubau am Uniklinikum Erlangen eine neue Ära

Als am 29.09.2005 der Neubau der Geburtshilfe der Frauenklinik des Uniklinikums Erlangen seine Türen öffnete, begann für die geburtshilfliche Versorgung in der Region ein neues Kapitel. Heute, rund 20 Jahre später, präsentiert sich das auf dem neuesten technischen Stand eingerichtete Gebäude als Herzstück moderner Perinatalmedizin, in dem patientenorientierte Betreuung und interdisziplinäre Zusammenarbeit aller relevanten Expertinnen und Experten des Uniklinikums verwirklicht sind.

Ein Neubau mit langer Vorgeschichte

Die Modernisierung der Geburtshilfe der Frauenklinik war über Jahrzehnte ein wiederkehrendes Thema. Erste Sanierungspläne für die zuvor in den 1950er Jahren letztmalig umfassend komplett um- und ausgebauten Räumlichkeiten reichen bis 1976 zurück; ab 1993 wurde über eine komplette Neubaulösung diskutiert. Doch erst der zunehmende öffentliche Druck aufgrund der baulichen Defizite der alten Geburtshilfe sowie das Engagement politischer Entscheidungsträger schufen die Voraussetzungen zur Realisierung des Projektes. Mit der Berufung von Prof. Dr. Matthias W. Beckmann im Jahr 2001, der die Frauenklinik sowohl strukturell als auch inhaltlich neu ausrichtete, gewann die Planung zusätzlich an Dynamik. Der Abriss der alten Wäscherei im Osten des Klinikkomplexes im August 2002 markierte schließlich den offiziellen Start des Neubaus an der Ecke Östliche Stadtmauerstraße/Universitätsstraße.

Moderne Architektur für eine moderne Geburtshilfe

Der Neubau verbindet Tradition und Fortschritt: Er fügt sich direkt an den historischen, teils denkmalgeschützten Gebäudebestand an und verknüpft so die unterschiedlichen Funktionsbereiche der Frauenklinik. Gleichzeitig verbindet er moderne Architektur mit patientenorientiertem Design.

Der Entbindungsbereich im Erdgeschoss umfasst vier Kreißsäle und zwei speziell ausgestattete Wehenzimmer. Freundliche Farben, flexible Gebärstühle sowie zwei große Gebärwannen schaffen ein wohnliches Ambiente. Zwei weitere spezielle Räume ermöglichen die intensivierte Überwachung von Patientinnen mit schweren Schwangerschaftskomplikationen. Ein geburtshilflicher OP mit direkter Anbindung an die neonatologischen Stationen sowie die Intensivstation der Kinderklinik erlaubt die pädiatrische Erstversorgung von Risikoneugeborenen in unmittelbarer räumlicher Nähe.

Auf den zwei oberen Etagen stehen insgesamt 36 modern ausgestattete Ein- und Zweibettzimmer bereit. Viele von ihnen verfügen über einen eigenen Balkon mit Blick auf den begrünten Innenhof des Klinikkomplexes. 

Das wohnliche Gestaltungskonzept der Entbindungsräume wurde auch auf den oberen Etagen umgesetzt. Das dadurch entstandene Ambiente empfinden die Mütter und die Mitarbeitenden gleichermaßen als sehr angenehm.

Die alte Geburtshilfe – ein Rückblick auf längst vergangene Strukturen

Erfahrungsberichte aus der alten Geburtshilfe zeigen eindrücklich, wie groß der Modernisierungsschub durch den Neubau war. 

Bis Anfang der 2000er Jahre gab es einen großen Kreißsaal mit vier, nur durch Vorhänge separierten Entbindungsbetten, einen Raum für Risikogeburten und einen weiteren Kreißsaal, der für Privatpatientinnen reserviert war. 

Fehlende Rückzugsmöglichkeiten, gemeinschaftlich genutzte Sanitärbereiche, das Fehlen von Gebärwannen, eine ausschließlich handschriftliche Dokumentation sowie ein Operationssaal, der nur über Station und Aufzug erreichbar war, prägten den Alltag in den damaligen Räumlichkeiten.

Bei Geburtseinleitungen wurde ausschließlich Wehenmittel als Infusion verwendet. Ab Beginn der Eröffnungsphase des Muttermundes konnten sich die Gebärenden nicht mehr frei bewegen.

Kaiserschnitte erfolgten standardmäßig in Vollnarkose. Bonding war nicht üblich.

Die 1953 eingerichtete geburtshilfliche Allgemeinstation mit Vier- bis Sechsbettzimmern bot keinerlei Möglichkeiten zum Rooming-in und verfügte bei rund 50 Betten lediglich über zwei Toiletten und eine Dusche. Die Neugeborenenzimmer waren abgeschlossen und für Väter nicht zugänglich. Nach einer komplikationslosen Geburt betrug die stationäre Verweildauer in der Regel rund eine Woche, nach einem Kaiserschnitt bis zu zwölf Tage. 

Die Kritik an den baulichen Gegebenheiten der Geburtshilfe, insbesondere den sanitären Einrichtungen, ließ die Akzeptanz der werdenden Mütter in Erlangen und seinem Umland zunehmend schwinden. Die Geburtenzahlen gingen von über 2.000 in den 1980er Jahren auf rund 1.300 um die Jahrtausendwende zurück; zeitweise war dadurch sogar die schulische Hebammenausbildung substanziell gefährdet.

Ungeachtet dieser baulichen und räumlichen Bedingungen wurde jedoch auch in der Vergangenheit medizinische Spitzenversorgung gewährleistet – insbesondere bei der Behandlung schwerer Schwangerschaftskomplikationen wie der Präeklampsie und des neu definierten HELLP-Syndroms. Parallel zur technischen Entwicklung begann der Aufbau von Strukturen zu vorgeburtlichen Untersuchungen mit Ultraschall (Pränataldiagnostik).

Die Gründung des Universitäts-Perinatalzentrums Franken 

Erst der 2005 fertiggestellte Neubau der Geburtshilfe brachte die entscheidende Veränderung des Versorgungsumfeldes. Im Rahmen dieser baulichen und strukturellen Neuausrichtung konnte das „Universitäts-Perinatalzentrum Franken“ zertifiziert werden. Damit wurde eine Entwicklung abgeschlossen, die 1984 mit der Aufnahme der geburtshilflichen und pädiatrischen Einrichtungen der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg als Perinatales Zentrum in den Krankenhausbedarfsplan des Freistaats Bayern begonnen hatte. Mit der Konzentration der räumlichen Strukturen von Geburtshilfe und Neonatologie im Neubau erhielt das Zentrum seine moderne organisatorische Struktur.

Heute ist das Universitäts-Perinatalzentrum Franken, ein interdisziplinäres Zentrum des Uniklinikums Erlangen, fest in der Region verankert. Die Expertinnen und Experten sind an der Entwicklung von innovativen Ansätzen in der Geburtsmedizin beteiligt und sowohl national als auch international gut vernetzt. Die enge Zusammenarbeit der unterschiedlichen Fachdisziplinen – neben Geburtshilfe, Pränataldiagnostik und Neonatologie v. a. auch Kinderchirurgie, Kinderkardiologie und Herzchirurgie mit ihren multiprofessionellen Teams – ermöglicht die individuelle Versorgung von rund 2.500 Schwangeren pro Jahr auf höchstem Niveau.

Die Zahl der im Zentrum behandelten extrem kleinen Frühgeborenen unter 1.250 g liegt seit Jahren über den bundesweit geforderten Mindestmengen. Die dadurch gewährleistete Expertise trägt maßgeblich dazu bei, die Zahl der Langzeitschäden und Todesfälle bei diesen Kindern weiter zu senken.

Ganzheitliche Betreuung – ein Leitgedanke des Zentrums

Der Auftrag des Perinatalzentrums umfasst weit mehr als die medizinisch-technische Versorgung: Er richtet sich nach den individuellen Wünschen und Bedürfnissen von Schwangeren, Gebärenden, Wöchnerinnen und ihren Kindern.

Dazu gehören: 

  • umfassende ambulante, stationäre und hoch spezialisierte Betreuung
  • familienorientierte und alternative Formen der Geburtshilfe
  • Beratung bei Kinderwunsch und moderne pränatale Diagnostik
  • interdisziplinäre Betreuung von Risikoschwangerschaften und -geburten
  • spezialisierte Still- und Pflegeberatung
  • enge Kooperation mit der Kinderklinik

Damit bietet das Universitäts-Perinatalzentrum Franken eine ganzheitliche und respektvolle Begleitung in einer der sensibelsten Lebensphasen.

Aktuelle Entwicklungen und Modernisierungen

Bereits die Grundausstattung des Neubaus brachte enorme Verbesserungen der technischen Möglichkeiten bei der medizinischen Betreuung. Dazu gehörten neue Geräte für die Ultraschalldiagnostik sowie die Einrichtung zentraler medizinischer Überwachungsmöglichkeiten für Mutter und Kind während kritischer Phasen unter der Geburt.

Auch nach der Inbetriebnahme blieb die technische Infrastruktur auf Wachstum und Qualität ausgerichtet. So wurde die Ausstattung der Ultraschalldiagnostik 2022 mit einem Kostenaufwand von rund 200.000 Euro erneut dem Fortschritt angepasst. Ein ähnlicher Modernisierungsschritt ist inzwischen auch für Entbindungsbetten, die Neugeborenen-Versorgungseinheiten und die Geräte zur Aufzeichnung kindlicher Herztöne (CTG) erfolgt.

Die Parameter der Versorgungsqualität – einschließlich der Sectio-Rate (2024: 30,09 %) sowie der neonatologischen Ergebnisindikatoren – liegen im überdurchschnittlich guten Bereich.

Akademische Weiterentwicklung und neue Ausbildungsformate

Mit der Einführung des dual-primärqualifizierenden Studiengangs Hebammenwissenschaft an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg im Wintersemester 2021/22 wurde die Akademisierung der Geburtshilfe am Standort weiter gestärkt. Ein Simulationslabor, das 2023 eröffnet wurde, bietet Studierenden realitätsnahe Trainingsmöglichkeiten und ergänzt die klinische Ausbildung optimal.

Fazit: ein Neubau, der die Geburtshilfe in Erlangen nachhaltig geprägt hat

Der Neubau der Geburtshilfe war weit mehr als ein architektonisches Projekt. Er markierte den Übergang von einer historisch gewachsenen, aber überholten Struktur hin zu einer modernen, patientenorientierten und wissenschaftlich führenden Einrichtung. Heute stellt das Gebäude das Herzstück der geburtshilflichen und perinatalen Versorgung in der Europäischen Metropolregion Nürnberg dar – und einen Ort, an dem jährlich über ca. 2.500 Kinder zur Welt kommen.

Weitere Informationen

Dr. med. Filip Weidenthaler
09131 85-3355
filip.weidenthaler(at)uk-erlangen.de