Eine vorbildliche Parkraumbewirtschaftung findet vor der Frauenklinik statt, wo der Chef mit bescheidenen Mobilitätsansprüchen Platz für besonders dringende Notfalleinsätze lässt. Foto: Bernd Böhner
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Warum ein schmuckes Geschäft »dicht« macht, und was an Erlangen interessiert
Erlanger Nachrichten, Sa. 16.10.2004, Rubrik: Stadt Erlangen
Vor über 20 Jahren wurde der Laden gegründet, jetzt wird Helga-Margarete Holl (langsam) Abschied nehmen, noch das Herbst- und Weihnachtsgeschäft absolvieren und dann das Licht ausdrehen: Scala, ein längst renommiertes Fachgeschäft für geschmackvolle Damen-Textilien, hört auf. Die Gründe sind für einen Außenstehenden einerseits sofort einzusehen, andererseits schwer nachvollziehbar. Frau Holl steht, drei Jahre nach der Erweiterung ihres Geschäfts - am heutigen Markgraf-Eck wollte ihr Mann ein Geschäft für Wohnaccessoires betreiben - mit dem Verlust ihres Mannes als Geschäftspartner (er ist schwer erkrankt) erst einmal ziemlich alleine da. Andererseits sollte man annehmen, jede einigermaßen geschäftstüchtige und kompetente Frau könnte den Laden weiterführen. »Pustekuchen«, sagt Frau Holl, »die Suche ist bisher nicht nur erfolglos, sondern regelrecht deprimierend verlaufen.« Soll heißen: »Den Interessentinnen war das alles zu viel Arbeit.«
Dass die Mutter dreier Kinder und Inhaberin von zwei weiteren Geschäften - in Nürnberg am Hauptmarkt will sie auf jeden Fall präsent bleiben, ihren Restpostenverkauf in Dechsendorf auch - dann lieber ganz aufhört, wollen viele ihrer Kundinnen nicht einsehen, werden's aber wohl kaum ändern können. Scala jedenfalls soll als (mehrfach ausgezeichnete) Fassade erhalten bleiben, und Helga-Margarete Holl will »auf jeden Fall einen Nachfolgeladen suchen, der dem Anspruch des hübschen Hauses gerecht wird«.
Die Parkraumbewirtschaftung der Universitäts-Kliniken ist seit vielen Jahren ein ganz eigenes Problem. Um es auf den Punkt zu bringen: meist gibt es mehr Autos von Beschäftigten und Besuchern, als Parkplätze zur Verfügung stehen. (Was darauf verweist, dass es der deutschen Automobilindustrie bis heute nicht gelungen ist, zu jedem Auto einen Parkplatz zu bauen - aber das ist ein weites Feld.) Wie man es richtig macht? Der Chefarzt der Frauenklinik, Prof. Matthias W. Beckmann, zeigt, dass der scheinbar knappe Parkraum umso großzügiger ist, je kleiner das abgestellte Fahrzeug. Sein Fahrrad, gut gefedert und mit pflegeleichter Nabenschaltung ausgerüstet, macht sich auf dem Chefparkplatz ausgesprochen dekorativ - und es hat den praktischen Nebeneffekt, dass ein Notfall (die berühmte Niederkunft im Taxi!) stets einen Klinik-nahen Parkplatz zur Verfügung hat. Vorbildlich!
Eine große süddeutsche Zeitung hat in einer Sonderbeilage »Bayern entdecken« am Mittwoch Erlangen entdeckt. Erlangen? Na ja, die Medizinstadt Erlangen, das von seinem OB Balleis wortreich gepriesene »Medical Valley«. Im Mittelpunkt einer Reportage voll lobender Worte stehen vor allem Ausgründungen aus der Universität oder aus dem Hause Siemens. e-Eye-Care oder Human Optics, aber auch die ECE-Training GmbH, die schon auch einmal eine Schweinelunge in einem Dummy zum Atmen bringt. Fazit der Reportage: In gewisser Weise ist Erlangen Deutschlands gesündeste Stadt - jetzt muss nur noch der Glaube daran hinzukommen. Und für den sind eigentlich die Theologen zuständig, und »das ist ausgerechnet die einzige Fakultät, die bisher noch nicht mit Siemens zusammenarbeitet«, so das Blatt.
Erlangen als publizistisches Umfeld entdeckt haben auch zwei weitere Blätter, die allerdings in einer anderen Liga spielen: die AltstadtZeitung als Sprachrohr des gleichnamigen Forums, und ein locker-flockiges Magazin namens more LIVE, das, sehr farbig, aus Erlangen, aus dem Großraum sowie aus aller Welt berichtet. Die Auswahl von der Ohm-Apotheke über die Weinstube Kach bis zur CIA und zu Kochtipps muss man wohl trendy nennen - und das ist ja wohl mindestens angesagt.
-PETER MILLIAN


