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 Presse 2004  

Tamara ist ein »Zeichen der Hoffnung«

Erlanger Frauenklinik will neue Methode für Krebspatientinnen mit Kinderwunsch anwenden

Nürnberger Nachrichten

Nürnberger Nachrichten, Fr. 19.11.2004, Rubrik: Extra


Nach dem Vorbild der Brüsseler Universitätsklinik will jetzt auch die Frauenklinik der Universität Erlangen-Nürnberg Krebspatientinnen die Möglichkeit anbieten, sich vor einer Chemotherapie das Eierstockgewebe entnehmen, einfrieren und nach der Behandlung wieder einpflanzen zulassen.
Tamara heißt das kleine Mädchen, inzwischen ist es acht Wochen alt. Seine Geburt in der Uni-Klinik von Brüssel/Belgien galt den Eltern als »Wunder«, den verantwortlichen Ärzten um den Gynäkologen Jacques Donnez als »Botschaft der Hoffung«.
Denn Tamara ist das erste Baby auf der Welt, das von einer ehemaligen Krebspatientin nach der Rückverpflanzung ihres eigenen Eierstockgewebes geboren wurde.
Tamaras Mutter war im Alter von 25 Jahren wegen eines Lymphknotenkrebses (Hodgkins-Lymphom) mit einer komplizierten Chemotherapie behandelt worden. Eine solche Chemotherapie kann zwar die Krebserkrankung heilen. Doch die Kehrseite der Medaille ist eine Zerstörung der Eierstöcke - und damit die künftige Unfruchtbarkeit der Frau.
Die Fachwelt ist daher schon seit langem von der Idee fasziniert, Frauen nach einer Krebstherapie trotzdem zu einer (natürlichen) Schwangerschaft zu verhelfen. Der »Trick«: Das Eierstockgewebe wird vor der Chemotherapie entfernt, sorgfältig eingefroren (kryokonserviert) und nach der Krebsbehandlung wieder eingepflanzt.
Falls alles klappt, wächst das Eierstockgewebe wieder an und produziert reife Eizellen, die befruchtet werden können. Die mittlerweile 32-jährige junge Brüsseler Mutter ist nun die erste Frau überhaupt, bei der diese Methode bis zur Geburt eines Kindes erfolgreich war.
»Damit eröffnet sich nun jeder Klinik mit dem nötigen Knowhow die Möglichkeit, diese Methode betroffenen Frauen anzubieten«, erläutert Prof. Matthias Beckmann, Direktor der Erlanger Uni-Frauenklinik.
Die »Zielgruppe« ist ganz klar definiert: Frauen mit einem Tumor, die sich einer Chemotherapie unterziehen müssen, und die sich für die Zeit nach der Behandlung den Kinderwunsch offen halten wollen.
Dass sein Haus das nötige Knowhow dafür hat, steht für Beckmann außer Zweifel. Schließlich hat gerade die Erlanger Frauenklinik weltweite Pionierleistungen auf dem Gebiet der Kryokonservierung vorzuweisen. Und bereits seit vielen Jahren beschäftigt sich eine Arbeitsgruppe um Oberarzt Helge Binder und den Naturwissenschaftler Ralf Dittrich mit dem Einfrieren und Auftauen von Eierstockgewebe.

-hlo