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Mobile Brustkrebs-Vorsorge ist auf Tournee

Mammographie-Gerät auf Rädern: Frauen ab 50 Jahren sollen an der Untersuchung zur Früherkennung teilnehmen

Erlanger Nachrichten

Erlanger Nachrichten, Di. 08.03.2005, Rubrik: Stadt Erlangen


Mit Verzögerung zwar, dafür aber auf besonders hoher Qualitätsstufe soll nun auch in Deutschland realisiert werden, was in anderen europäischen Ländern schon seit langem erfolgreich praktiziert wird: Gezieltes Mammographie-Screening für Frauen - ein ausgefeiltes Programm zur Früherkennung von Brustkrebs. Auch Erlanger Spezialisten sind maßgeblich beteiligt. Ihr Engagement fügt sich gut ein ins »Gesundheitsjahr 2005«.

Zahlen aus Schweden, Großbritannien und den Niederlanden lassen den medizinischen Laien aufhorchen. Um durchschnittlich 30 Prozent sind dort die Brustkrebs-Sterblichkeitszahlen zurückgegangen, seit regelmäßige Früherkennungs-Untersuchungen flächendeckend durchgeführt werden und für die Frauen inzwischen zur Selbstverständlichkeit geworden sind.
In Deutschland wird diese Untersuchungsmöglichkeit weitaus weniger genutzt. Gerade in der am stärksten krebsgefährdeten Altersgruppe der 50- bis 70-Jährigen blieb die Beteiligung bisher recht mäßig. Dabei sollte doch mittlerweile allgemein bekannt sein, dass Brustkrebs die häufigste Krebserkrankung der Frauen ist, sogar mit steigender Tendenz. Jährlich gibt es nahezu 40 000 neue Fälle, alljährlich sterben rund 16 000 Frauen am Brustkarzinom.

Verbesserte Heilungschancen

Den bösartigen Tumor schon im Frühstadium aufzuspüren, erleichtert nicht nur die nachfolgende Behandlung. Auch die Heilungschancen verbessern sich deutlich, betonen zwei Erlanger Medizin-Kapazitäten im Gespräch mit den EN. Prof. Matthias W. Beckmann, Direktor der Frauenklinik, und Prof. Rüdiger Schulz-Wendtland, Leiter der Gynäkologischen Radiologie am Uni-Klinikum Erlangen, appellieren nachdrücklich vor allem an Frauen ab Fünfzig, das Angebot der Früherkennungs-Untersuchung unbedingt anzunehmen - in ihrem eigenen Interesse.
20 bis 40 Prozent Rückgang der Sterblichkeitsziffer auch hier zu Lande hält Schulz-Wendtland bei guter Akzeptanz des Mammographie-Screening-Programms für wahrscheinlich. Die Brustuntersuchung nach einem speziellen Röntgenverfahren - dies besagt der Fachbegriff »Mammographie« - ist die bisher einzige Methode, schon die Vorstufen eines Karzinoms in der Brustregion festzustellen; nicht nur kleinste Knötchen, noch ehe sie tastbar sind, sondern auch Feinststrukturen in der Größenordnung von Zehntelmillimetern - nämlich Mikrokalk im neu entstandenen Krankheitsherd und die winzigen Verästelungen, die von ihm ausgehen. Zu 80 Prozent sind dies Krebs-Vorboten.
Die Selbstuntersuchung der Brust durch die Frau in ihren eigenen vier Wänden, wie sie beispielsweise nach der MammaCare-Methode auch in Erlangen erlernt werden kann (die EN berichteten), halten beide Professoren für nützlich - allerdings mit der Einschränkung, dass dieses Verfahren als Ergänzung zur Mammographie zu sehen sei, sie aber keinesfalls ersetzen könne. Positiv wertet Beckmann, dass das gelernte Abtasten die Sensibilität der Frau für ihre Brust und eventuelle Veränderungen fördern kann. Verhängnisvoll jedoch könnte sich auswirken, wenn sie es damit bewenden lässt. Mammographie sei unerlässlich, ohne Alternative. Vorrangig gelte dies für 50- bis 70-Jährige.
Diesen Frauen wird es künftig im Bezirk leicht(er) gemacht. Ein Spezialgefährt namens »Mammobil« will ihnen den Gang zur Mammographie und die damit vielleicht verbundene Schwellenangst nehmen. Die fahrbare Untersuchungsstation, ausgestattet mit einem Mammographiegerät, kommt zu ihnen - genauer, in ihre Gemeinden. Zunächst wird das Mammobil in den Kreisen unterwegs sein, ab April auch in Nürnberg, Fürth und Erlangen, wo es Anfang Dezember schon eine kurze Premieren-Vorstellung gegeben hatte.

»Im Vorbeigehen«

Die Frauen werden dazu nach Angaben der Meldebehörden von den Krankenkassen mit genauem Hinweis auf Ort und Zeit eingeladen. Praktisch »im Vorbeigehen« können sie die Früherkennungs-Untersuchung durchführen lassen. In nur wenigen Minuten werden von jeder Brust zwei Röntgenaufnahmen gemacht und dann von zwei erfahrenen, besonders geschulten Ärzten unabhängig voneinander begutachtet. Erfreulicher Erfahrungswert: Bei etwa 95 Prozent der Mammographien zeigt sich kein Hinweis auf Krebs. Kommt doch ein Verdacht auf, wird zu einer abklärenden zweiten Untersuchung - ebenfalls kostenlos im Rahmen des Früherkennungs-Programms - gebeten. Was kein Grund zur Panik sein muss: In 80 Prozent der Zweituntersuchungen bestätigt sich der Krebsverdacht nicht.
Künftig wird die Einladung zur Mammographie-Früherkennung alle zwei Jahre ins Haus flattern, ohne Zutun der Adressatin. Aber auch bei Frauen unter 50 und über 70 springt die Krankenkasse ein, wenn die Betreffende selbst oder der Hausarzt Veränderungen im Brustbereich festgestellt und eine Überweisung ausgestellt hat.

-RUDOLF FÖRSTER