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Klinik-Chef Prof. Beckmann zu neueren Forschungsergebnissen
Nürnberger Zeitung, Fr. 15.04.2005, Rubrik: Nürnberg plus (NZ-plus)
Da staunte selbst der Professor. Obwohl Matthias Beckmann als Leiter der Frauenklinik der Universität Erlangen-Nürnberg über einen Stab von vier Mitarbeitern verfügt, die ausschließlich für die Umsetzung und Betreuung von Studien da sind, flutschen selbst an ihm manche Ergebnisse vorbei. Das ist sicher entschuldbar, so lange es sich um internationale Forschung handelt und das eigene Haus ausnahmsweise - wie in diesem Fall - nicht daran beteiligt ist.
Das Ergebnis der Studie über die Anwendung des Medikaments "Femara" bei Brustkrebspatientinnen nach den Wechseljahren, die bis zu fünf Jahre lang das Mittel Tamoxifen (die "Mutter aller Medikamente für die Brustkrebsbehandlung") erhalten haben, lässt nicht nur ihn aufhorchen. Der Gesundheitszustand der Frauen, die es erhalten hatten, zeigte so deutliche Verbesserungen, dass die Untersuchung vorzeitig abgebrochen wurde. Seit etwa vier Wochen verfügt die Firma Novartis, die das Produkt herstellt, über eine Zulassung für dieses Medikament mit der speziellen Indikation. Nun darf es auch Prof. Beckmann den Frauen verschreiben, die von einer Einnahme profitieren sollen.
"Die Patientin soll gut und länger leben"
"Das Dreieck, Forschung, Arzt, Patientin hat das eine Ziel: Die Patientin soll gut und länger überleben", formuliert es der Klinikchef. Die Industrie habe keinen Nutzen an Arzneimitteln, die Patientinnen nicht helfen, unterstreicht er. Prof. Beckmann steht Studien sehr offen gegenüber. Man müsse sie unbedingt unterstützen, betont er und attestiert Deutschland eine sehr zögerliche Haltung demgegenüber. Erst langsam setze sich die im Ausland bekannte Meinung durch, dass der Nutzen bei einer Teilnahme an einer Studie höher sei als die möglichen Nachteile.
An der Frauenklinik wurde das Universitats-Brustzentrum Erlangen zertifiziert. Eine Voraussetzung für die Anerkennung dieses Qualitatssiegels sei neben anderen Aspekten die Teilnahme von 15 Prozent der Patientinnen an Studien. "Wenn man von der Antihormontherapie der Brustkrebspatientin über 50 Jahre spricht, dann gibt es vier große Studien, die in den letzten Jahren Fortschritte in der Behandlung gebracht haben", führt er an. Zwei davon seien von Novartis durchgeführt worden.
47.500 Frauen erkranken jährlich
Die Ergebnisse der "MA 17", die den Nachweis über die erhöhte Wirksamkeit von Femara für an Brustkrebs erkrankte Frauen ohne Metastasen brachte, sind für viele Frauen relevant, betont Prof. Beckmann. Immerhin erkranken bundesweit 47.500 jähr- lich Frauen neu an Brustkrebs. 16.600 Frauen sterben jedes Jahr an den Folgen der Krankheit. Immerhin 360.000 Patientinnen leben derzeit mit der Diagnose, ohne unter Metastasen zu leiden. Da bei einem Drittel der Tumor Hormon unabhängig wächst, scheiden diese für eine Behandlung mit Femara aus. Doch für die übrigen, das sind etwa eine Viertelmillion Menschen, verbessert sich duch die neuen Erkenntnisse die Aussicht auf eie Stabilisierung ihres Zustandes.
Häufig wissen die Patientinnen schon eine Menge über die Therapiemöglichkeiten, ist Prof. Beckmanns Erfahrung. "Es gibt kaum uninformierte Patientinnen, sondern lediglich schlecht informierte", sagt er. Daher komme den Ärzten eine Schlüsselrolle zu. Allerdings müsse berücksichtigt werden, dass die Situation bei jeder Patientin individuell verschieden ist und daher auch die Behandlung im Einzelfall variiert.
-PETRA NOSSEK-BOCK
© 2012 Universitätsklinikum Erlangen


