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 Unsere Historie  

Karl Günther Ober

(1915-1999)

Erlangen wird ein Zentrum der operativen Gynäkologie

Direktor der Universitäts-Frauenklinik von 1962-1983

Karl Günther Ober wurde am 24. August 1915 in Berlin geboren, besuchte dort die Schule und studierte Medizin. Einer Empfehlung von Ferdinand Sauerbruch (1875-1951) folgend bildete sich der junge Arzt mit dem ursprünglichen Berufswunsch Chirurgie zunächst als Pathologe weiter. Im Sektionssaal zog sich Ober 1942 jedoch eine Tuberkulose zu, die ihm eine jahrelange Pause in der Berufsausübung auferlegte. Wieder genesen wandte er sich der Frauenheilkunde zu, wurde 1948 Assistent des berühmten Gynäkologen Carl Kaufmann (1900-1980) in Marburg und Köln, habilitierte sich 1954 und nahm 1962 einen Ruf auf den Erlanger Lehrstuhl für Geburtshilfe und Gynäkologie an. Ober blieb der mittelfränkischen Universität ungeachtet späterer Rufe nach Bonn (1965) und Köln (1969) treu. Er wählte Erlangen auch als Alterssitz und starb hier am 27. Februar 1999.

Schwerpunkte der wissenschaftlichen Arbeit Obers finden sich in der gynäkologischen Endokrinologie und vor allem in der Onkologie. So trug er entscheidend dazu bei, eine wirksame hormonelle Therapie der dysfunktionellen Uterusblutungen zu etablieren, die zuvor häufig nur durch chirurgische Intervention beherrschbar waren. Zusammen mit Kaufmann und dem Bonner Pathologen Herwig Hamperl (1899-1976) führte Ober außerdem an speziell hergestellten histologischen Großflächenschnitten der Cervix uteri und ihrer Nachbargewebe umfangreiche Untersuchungen durch. Dadurch konnte der morphologischen Formenwandel des Gebärmutterhalses in den verschiedenen Lebensabschnitten der Frau erstmals systematisch beschrieben werden. Ferner ließen sich neue Einsichten zur Pathophysiologie der Frühformen des Zervixkarzinoms gewinnen, die in Empfehlungen zu einer weniger radikalen, stadienadaptierten Behandlung mündeten.

Ober galt als ungewöhnlich begabter Operateur. Unter seiner Leitung erwarb sich die zuvor über Jahrzehnte relativ einseitig radiologisch ausgerichtete Erlanger Klinik rasch eine Spitzenstellung im Kreis der operativen und onkologischen Zentren der deutschen Gynäkologie. Er förderte aber auch schon sehr früh Untersuchungen zur in vitro-Fertilisation (IVF). Sie führten 1982 in Erlangen zur Geburt des ersten deutschen "Retortenbabys", die von einem gewaltigen Medienspektakel begleitet war.