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 Unsere Historie  

Paul Zweifel

(1848-1927)

Pionier in der Erforschung deer fetalen Physiologie

Direktor der Universitäts-Frauenklinik von 1876-1887

Paul Zweifel wurde am 30. Juni 1848 in Höngg bei Zürich als Sohn eines praktischen Arztes geboren. Er ging in Zürich zur Schule und studierte dort auch Medizin. 1872 trat Zweifel als Assistent des Geburtshelfers Adolf Gusserow (1836-1906) in die Züricher Frauenklinik ein und wurde mit einer Dissertation über Adnexeingriffe promoviert. Wenig später begleitete er seinen Lehrer an die neugegründete Universität Straßburg und habilitierte sich 1874. Bereits zwei Jahre später wurde Zweifel im Alter von erst 28 Jahren zum Direktor der Erlanger Frauenklinik berufen. 1887 trat er dann die Nachfolge von Carl Credé (1819-1892) in Leipzig an. Dort wirkte Zweifel bis zu seiner Emeritierung 35 Jahre lang. Er starb am 13. August 1927 im Alter von 79 Jahren.

Das wissenschaftliche Werk Zweifels, der geburtshilfliche Probleme ebenso umfassend bearbeitete wie Fragen der operativen Gynäkologie, fand in 160 Publikationen seinen Niederschlag. Er gehörte zu den ersten Gynäkologen, die physiologisch-chemische Aspekte ihres Fachgebietes untersuchten. Als Zweifel seine Tätigkeit in Erlangen aufnahm, war er wegen seiner zuvor im Straßburger Institut von Felix Hoppe-Seyler durchgeführten Arbeiten zur Physiologie des Feten und der Plazenta bereits ein berühmter Mann. Er hatte dabei unter anderem im Tierexperiment zeigen können, dass Feten in utero stoffwechselaktiv sind und Sauerstoff verbrauchen. Diese Frage war bis zu Zweifels Untersuchungen heftig umstritten. Seine entsprechende Publikation, die 1876 unter dem Titel „Die Respiration des Fötus“ im „Archiv für Gynäkologie“ erschien, wird als Beginn der modernen Forschung auf dem Gebiet der fetalen Physiologie betrachtet.

Die bei Hoppe-Seyler erlernten Techniken und Betrachtungsweisen der experimentellen Physiologie haben Zweifel entscheidend geprägt. Als er in Erlangen vor der Notwendigkeit stand, sich als Autodidakt mit der eben beginnenden gynäkologischen Chirurgie auseinander zu setzen, bestimmten sie sein Denken und Handeln. So lehnte er beispielsweise verstümmelnde Eingriffe wie die Operation nach Porro als unphysiologisch ab. Zum klassischen Kaiserschnitt konnte er sich erst entschließen, als ihm die Datenlage ausreichende Sicherheit versprach. Zu Beginn seiner Erlanger Tätigkeit setzte Zweifel die Pläne seines Vorgängers Karl Schroeder (1838-1887) für einen Neubau der Klinik in die Tat um. So entstand in den Jahren bis 1878 der Südflügel an der Universitätsstraße als erster Teil des heutigen Gebäudekomplexes (Schröder-Zweifel-Bau).