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Frauenklinik

Direktor:
Prof. Dr. med. Matthias W. Beckmann
Frauenklinik

Krebsforscher Professor Weishaar 100 Jahre alt

Der Wissenschaftler leitete fast 30 Jahre die Strahlenabteilung der Frauenklinik – Wichtige Aufbauarbeit nach den Wirren der Nachkriegszeit

Prof. Dr. Julius Weishaar, der bis 1985 über fast drei Jahrzehnte die Gynäkologische Radiologie in der Frauenklinik der Universität Erlangen-Nürnberg geleitet hat, feiert am kommenden Sonntag (8.9.) seinen 100. Geburtstag. Sein Engagement trug wesentlich dazu bei, dass die zwischen den Weltkriegen international renommierte, aber von den Wirren nach 1945 in vielerlei Hinsicht stark beeinträchtigte Einrichtung wieder zu einer angesehenen Forschungs- und Behandlungsstätte wurde. Der Schwerpunkt verschob sich dabei unter seiner Ägide von der primären Strahlentherapie des Krebses zunehmend zur Diagnostik, weil sich die Klinik stärker operativ ausrichtete. Experimentelle physikalische sowie Untersuchungen zum Strahlenschutz blieben weiter Forschungsgegenstand.

Julius Weishaar wurde 1919 in Gersheim/Saarpfalz geboren. Der Anfang seines beruflichen Werdegangs war in typischer Weise durch den Nationalsozialismus und den Zweiten Weltkrieg geprägt: Nach dem Abitur 1939 zunächst Reichsarbeitsdienst, dann Medizinstudium in Erlangen und Würzburg, unterbrochen von Militärdienst mit einer Verwundung 1941 beim Fronteinsatz in Russland. Ende April 1945 Notapprobation und Promotion in Würzburg; die endgültige Bestallung als Arzt erhielt der Jubilar nach dem Staatsexamen im Dezember 1946 in München.

1976: Aufwertung des Strahleninstituts zur Abteilung

Die radiologische Ausbildung von Weishaar begann im Anschluss an verschiedene andere ärztlichen Tätigkeiten 1952 in der Röntgenabteilung der Chirurgischen Universitätsklinik Würzburg, wo er 1955 die Facharztanerkennung für Röntgenologie und Strahlenheilkunde erhielt. 1957 kam Weishaar dann wieder nach Erlangen und übernahm dort noch unter dem Direktorat von Prof. Dr. Rudolf Dyroff die Leitung des Strahleninstituts der Frauenklinik. 1960 folgte die Habilitation, 1966 die Ernennung zum apl. Professor und 1970 zum Extraordinarius für Röntgenologie und Strahlenheilkunde. 1976 wurde das Strahleninstitut zur selbständigen Abteilung, die er nach seiner Versetzung in den Ruhestand 1984 noch bis zum April 1985 kommissarisch leitete.

In den Anfangsjahren seiner Tätigkeit in Erlangen lag der Schwerpunkt der wissenschaftlichen Untersuchungen von Weishaar in der Strahlentherapie des fortgeschritten Gebärmutterhalskrebses, der vor Einführung der gesetzlichen Früherkennung wesentlich häufiger war als heute. Später rückte vor allem die Bildgebung im Zusammenhang mit der Brustkrebsdiagnostik in den Vordergrund, wobei verschiedene Verfahren erprobt wurden. Weishaar arbeitete dabei im Team mit Klinikärzten, aber auch mit dem Medizinphysiker Prof. Dr. Manfred Säbel. Letzterer wurde aufgrund seiner Expertise in wichtige europäische Gremien für mammografische Standards berufen.

Großzügiger Ausbau der Radium-Therapie

Bei seinen Bemühungen konnte sich Weishaar vor allem auf die Unterstützung von Prof. Dr. Karl Günther Ober stützen, der von 1962 bis 1984 Chef der Frauenklinik war und in der Medizinischen Fakultät großen Einfluss hatte. Von 1963 bis 1967 wurde der noch in der Ära Dyroff projektierte, großzügige Ausbau der Radium-Behandlungsabteilung im Untergeschoss des Strahleninstitutes realisiert. Zusätzlich setzte Ober den Bau eines Strahlenbunkers für ein damals hochmodernes Gammatron 3-Bestrahlungsgerät durch („Kobalt-Kanone“), das von August 1966 bis März 1967 eingebaut wurde.

Mit dem Ausscheiden von Weishaar verlor die Radiologie in der Frauenklinik 1985 ihren Status als selbständige Abteilung. Inzwischen hatte die Universität einen eigenen Lehrstuhl für Strahlentherapie erhalten – den ersten in Bayern. Er war mit Prof. Dr. Rolf Sauer besetzt worden. Der Jubilar, der Erlangen auch nach seiner Emeritierung treu blieb, wird seinen runden Geburtstag in Buckenhof im Kreise seiner Familie feiern.

 

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